Hybrid LP-Optimizer von creaktiv Systems – HiFi Test

LP-Optimizer Front
LP Optimizer Front | Bild: Thomas Hündgen

Das Hantieren mit Schallplatten geht unweigerlich mit einigen Umständen einher. Während sich unbequeme Begleiterscheinungen wie Staub und Schmutz auf digitalen Tonträgern in ihren negativen Auswirkungen in Grenzen halten, steht ein jeder der Vinyl hören möchte, viel größeren Herausforderungen gegenüber. Um ungetrübt genießen zu können, sollte man die Scheiben gründlich reinigen. Wer nicht in dazu in der Lage ist, eine Plattenwaschmaschine nutzen zu können, ist auf Mikrofasertüchern und Bürsten angewiesen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass sobald Kunststoffe auf dem Vinyl reiben, es sich elektrostatisch auflädt.

creaktiv Systems

Der Hersteller des LP-Optimizers creaktiv Systems, konzentriert sich seit Langem auf die Eliminierung von Störfeldern verschiedener Art, die sich negativ auf die Klangqualität auswirken. Unter verschiedenen Ansätzen zahlreicher Produkte, taucht im Angebot der LP-Optimizer auf, der statische Aufladung neutralisieren soll. Das Unternehmen war so selbstsicher und fügte meinem Testexemplar das präzise Messgerät Keyence SK-H050 für Ionisierungen bei. Dieses Gerät erschien hilfreich, da es mit exakten Messwerten ermöglicht, die Ergebnisse des LP-Optimizers empirisch zu belegen.

Keyence SK-H050
Das Messgerät für Ionisierungen: Keyence SK-H050 | Bild: Thomas Hündgen

Ionisierungen stehen eng mit weiteren physikalischen Parametern wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Verbindung. Das Wissen über statische Aufladungen ist so umfangreich, dass es in diesem Bericht den Rahmen sprengen würde, um eine grobe Übersicht zu liefern.

Für uns ist es, soweit kann ich es vorweg holen, nur interessant, dass sie eine negative Wirkung auf die Klangqualität haben und wie der LP-Optimizer Abhilfe schaffen kann.

Der Testablauf

Um den LP-Optimizer nutzen zu können, braucht der Anwender eine stabile und Platz beanspruchende Unterlage. Der LP-Stein besteht aus massivem Granit und mit seinen Abmessungen von 35 × 35 × 3 cm ist er nicht gerade ein Leichtgewicht. Um zu verwertbaren Resultaten zu gelangen, erschien es notwendig, die Abläufe zu systematisieren. Das Keyence SK-H050 erzeugt mit zwei Lasern einen Punkt und einen Strich, die man auf der zu messenden Oberfläche durch Abstandsveränderung vereinen muss, um genaue Werte zu erhalten, die je nach Stärke zwischen Volt und Kilovolt angegeben werden.

Ionisierungen sind jedoch dynamisch. Von daher bestehen, aufgrund der fluktuierenden Felder, die Messwerte aus Querschnittsummen. Bei den Hörsitzungen nutzte ich den Lautstärkeindikator am Verstärker, um exakt gleiche Volumina einzustellen. Für den Test habe ich vier Exemplare herangezogen.

Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 7, Decca 6.35195 DX

Die erste Platte mit der 7. Sinfonie von Gustav Mahler, gespielt vom Chicago Symphony Orchestra unter der Leitung von Georg Solti, ist die deutsche Decca 6.35195 DX (SET 518-9). Im Nebenzimmer habe ich ein altes Tellerlager mit Plattenteller an einem Schreibtisch befestigt, das mir als provisorische Reinigungsvorrichtung dient. Ich legte die Schallplatte auf diesen Teller und bevorzuge die Verwendung einer Nagelbürste aus einem Drogeriemarkt mit Ziegenhaarborsten, die ich fest auf die Platte drückte, während ich sie kraftvoll rotierte. Auch wenn sich im Anschluss erfreulicherweise ein kleiner Berg Schmutz angehäuft hatte, den ich mit einem Mikrofasertuch beseitigte, steigerten diese Reinigungen die Ionisierung auf minus 786 Volt. Beim Entnehmen der Scheibe knisterte sie deutlich hörbar. Um einen direkten Vergleich zu erhalten, hörte ich mir zunächst diese stark ionisierte Platte an. Da ich keine entionisierende Technik habe, wirkte das Klangbild vertraut. Die räumliche Darstellung, Dreidimensionalität und der tonale Kontrast der Schallquellen erschienen als insgesamt gut. Nach circa 10 Minuten des Hörens hatte sich die Ionisierung etwas verringert. Für den zweiten Durchlauf legte ich die Scheibe wieder auf den Teller zum Reinigen und ging erneut mit der Bürste durch die Rille, um einen Messwert von minus 810 Volt zu erhalten. Zum Unterschied beförderte ich sie als Nächstes für eine Weile auf den LP-Optimizer.

Nach 60 Sekunden Verweildauer auf dem Granit reduzierte sich die Ionisierung um aufgerundet 55 Prozent. Das Messgerät gab einen Wert von minus 372 Volt an. Mit dieser entstörend behandelten Schallplatte wiederholte ich die Wiedergabe von vorhin. Bereits vor der Musik fielen erste Unterschiede auf. Rauschen und Knistern waren deutlich reduziert. Auf klanglicher Ebene ergaben sich zahlreiche Verbesserungen. Insgesamt erschien das Klangbild als heller und offener. Es drangen mehr feine Details zu Gehör. Die Abbildung zeigte sich fokussierter. Dadurch verbesserte sich die räumliche Darstellung, wie auch die Dreidimensionalität der Schallquellen. Der tonale Kontrast erschien als erhöht, da sich die Instrumente bei komplexen Passagen deutlicher voneinander abhoben. Der Bassbereich wirkte kontrollierter und texturierter. Insgesamt zeichneten sich die Unterschiede plakativ aus.

Rodrigo, Concierto de Aranjuez, Neville Marriner, Philips

Rodrigo, Concierto de Aranjuez, Neville Marriner, Philips

Bei der zweiten Scheibe fiel die Wahl auf die Philips Stereo 9500 563 mit dem Concierto de Aranjuez von Rodrigo, der Academy of St. Martin-in-the-Fields unter der Leitung von Neville Marriner. Nach einer gründlichen Reinigung mit der Bürste betrug die Aufladung minus 859 Volt. Nach 60 Sekunden auf dem LP-Optimizer ging der Wert herunter auf minus 260 Volt; das entsprach einer Reduktion von circa 70 Prozent.

Auch bei dieser Platte führte ich einen direkten Vergleich durch. Nach der Behandlung mit dem LP-Optimizer fiel mir eine wesentlich sauberere Wiedergabe auf. Die Musik entfaltete sich entspannter, weniger harsch und nervös. Die Abbildung erschien etwas vergrößert. Die Räumlichkeit und Dreidimensionalität verbesserten sich drastisch. Es herrschte wesentlich mehr Ruhe im Klangbild, gepaart mit einer höheren Auflösung. Nach einer Weile des Hörens, begann ich den Test beinahe zu vergessen, um zu genießen.

Fleet Foxes – Crack-Up

Fleet Foxes – Crack-Up

Die US-amerikanische Indie-Folk Band aus Seattle bezeichnet ihre wunderschöne Musik als „baroque harmonic pop jams“. Ungeachtet dessen erwies sich die Doppel LP „Crack-Up“ als wahres Monster der statischen Aufladung. Nach langer und gründlicher Reinigung mit der Bürste erhielt ich Messwerte von minus 1,99 Kilovolt. Nach 60 Sekunden auf den LP-Optimizer ging der Wert auf minus 1,04 kV und nach 120 Sekunden auf minus 0,94 kV zurück. Der letzte Messwert belegte eine Reduktion der Ionisierung von circa 53 Prozent. Auch wenn der Wert mit minus 0,94 kV als hoch erschien, wirkte der Klang im Vergleich mit dem höheren Wert fokussierter, plastischer, räumlicher und detaillierter. Doch, wie bei allen bislang getesteten Platten, fiel am meisten eine deutlich ruhigere und entspanntere Wiedergabe auf.

The Art of Noise – In no sense? Nonsense!

The Art of Noise – In no sense? Nonsense!

Nach gründlicher und langer Reinigung mit der Nagelbürste maß ich einen Wert von minus 1,67 kV, nach 180 Sekunden auf dem LP-Optimizer minus 1,11 kV, das entsprach einer Reduktion von circa 34 Prozent. Die klanglichen Verbesserungen erscheinen zwar als insgesamt weniger plakativ, aber dennoch stark genug, um sie eindeutig zu vernehmen. Die Laufruhe nahm zu, die Plastizität und räumliche Darstellung gewannen ebenso, wie die Zunahme an Details. Wie bei allen bislang mit dem LP-Optimizer behandelten Schallplatten wirkte das Klanggeschehen als insgesamt ruhiger und entspannter. Auch wenn ich es nicht messen kann, gehe ich davon aus, dass mit Abnahme der Ionisierung, sich möglicherweise subtile Verzerrungen reduzieren, die sich auf das Klanggeschehen negativ auswirken.

LP_Optimizer_&_Keyence_SK-H050
Das Messgerät zeigt minus 10 Volt Ionisierung nach einer Verweildauer auf dem Granit von mehr als 5 Minuten an | Bild: Thomas Hündgen

Weitere Messreihen und allgemeine Beobachtungen

Insgesamt ließen sich bei allen Schallplatten, die ich in den vergangenen Wochen hörte, Reduzierungen der Ionisierungen durch den LP-Optimizer in einem Rahmen von zwischen 25 und 75 Prozent messen, bei Verweildauern auf dem Granit von zwischen 30 und 180 Sekunden. Blieben Platten länger als 180 Sekunden auf dem Granit liegen, konnte ich Reduzierungen von bis zu 92 Prozent messen. Dabei ergab sich, dass die statische Aufladung wohl sehr an Merkmalen der Schallplatten gebunden sind, die ich nicht in Erfahrung bringen konnte. Es ließen sich messtechnisch keine Zusammenhänge zwischen der Dicke des Vinyls, der Herkunft der Platten oder sonstige Eigenschaften herstellen. Klanglich ließ sich bei allen von mir auch außerhalb dieses Tests gehörten Schallplatten eine deutlich entspanntere Wiedergabe genießen, der für mich am stärksten auffallenden Eigenschaft der Reduzierungen von Ionisationen. Zum Glück konnte ich dabei messen, dass die Werte nur in Ausnahmefällen im Bereich von Kilovolt lagen.

Der Hersteller empfiehlt eine Verweildauer auf dem Optimizer von mindestens 2 bis 10 Minuten oder je länger, desto besser, um Ionisierungen maximal zu reduzieren.

Digitale Tonträger

Für die Anwender des LP-Optimizers ist auch eine Verwendung von digitalen Tonträgern, messbar zu empfehlen. Wohl aufgrund der Tatsache, dass ich meine CDs, DVDs und Blu-Rays nicht mit einem Mikrofasertuch oder Ähnlichem reinige, messe ich Werte im Bereich von zwischen minus 10 und minus 40 Volt, die nach mindestens 120 Sekunden auf dem Optimizer im Schnitt auf minus 3 Volt heruntergehen. Für Musikliebhaber, die ausschließlich digitale Tonträger bevorzugen, ist der kleine Bruder des LP-Optimizers, der CD-Optimizer mit den Abmessungen 15 × 15 × 3 cm für 380 Euro zu empfehlen.

Fazit

Geräte und weitere Optionen zur Reduzierung von Ionisierungen sind für normale Verbraucher schwer zugänglich, weil es sich dabei überwiegend um Lösungen für industrielle Anwendungen handelt. Im High End Audio Markt sind nur wenige Angebote zu finden. Der LP-Optimizer von creaktiv Systems (https://creaktiv-systems.com/lp-optimizer) erscheint zwar als ein Produkt von Größe und Schwere, aber als geeignete Alternative, um elektrostatische Aufladung von Tonträgern analog wie digital gleichermaßen zu reduzieren. Verringerte Ionisierungen bewirken bei Schallplatten deutliche klangliche Verbesserungen. Dies erscheint als kaum verwunderlich, da Tonabnehmersysteme sehr empfindliche mikromechanische, elektromagnetische Tongeneratoren sind, die sensibel auf Störfelder reagieren. Aufgrund der zahlreichen klanglichen Verbesserungen kann ich eine klare Kaufempfehlung geben.

Preis

569 Euro (Stand Januar 2020)

Hersteller

creaktiv Systems
Audio Selection creaktiv GmbH
Drieschweg 9
53604 Bad Honnef
https://creaktiv-systems.com

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