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Meist stiefmütterlich behandelt - die Raumakustik

Lassen Sie es uns mal so formulieren: ein Ferrari wird keine Höchstleistungen auf einem Schotterweg bringen. Und was für den Ferrari der Schotterweg, ist für eine High-End-Anlage eine ungünstige Raumakustik. Doch was sind die Rahmenbedingungen einer guten Raumakustik?

Der Hall

Machen Sie den Klatschtest: wenn Sie in ihrem Hörraum an verschiedenen Stellen einmal in die Hände klatschen, wie klingt das? Hört sich das hallig an oder verstummt das Klatschgeräusch sofort? Bei letzterem Ergebnis können Sie zufrieden sein und dieses Kapitel gerne überspringen.

Je halliger ein Raum, umso ungünstiger ist das für den Klang. Allerdings sind sich bei der kompromisslosen Umkehrung des Satzes die Gelehrten nicht so ganz einig. Eine Fraktion der Spezialisten sagt, ein Raum kann nicht genug bedämpft sein. Die andere Fraktion behauptet, Hall in gewissen Grenzen ist einem guten Klang durchaus dienlich. Unserer Ansicht nach ist die absolute Bedämpfung des Halls nur bei den Aufnahmestudios sinnvoll.

Wie auch immer, es lohnt sich in jeden Fall, sich über die Bedämpfung des eigenen Hörraums ein paar Gedanken zu machen. Schauen wir uns zunächst einmal Ihre "Raummaterialien" näher an:

Material Klang
Glasvitrine, Glastüre, Glasfenster -
Fliesenboden, Steinboden -
Parkett, Laminat -
Betonwand, Steinwand -
Rigipswände, Rigipsdecken +
Holzwände, Holzdecken +
Gardinen, Store +
Vorhang +
Polstermöbel aus Stoff +
Teppich +
Strukturtapete +

In der sicherlich nicht vollständigen Tabelle können Sie schnell die Problemzonen Ihres Raumes erkennen und gegebenenfalls Gegenmassnahmen einleiten. Die mit "-" bewerteten Materialien begünstigen Raumhall, da sie den Schall besonders gut reflektieren. Die "+" - Materialen absorbieren dagegen den Schall und wirken sich daher günstig aus.

Doch wie sieht das in der Praxis aus?

Grosse Fensterflächen entschärfen Sie am Besten durch Stores und Vorhänge.

Auf den Parkettboden legen Sie im "Hördreieck" einen Teppich. Also zwischen der Hörposition und den Lautsprechern.

Die kahlen Wände verschönern Sie sowohl optisch wie akustisch mit Bildern. Hier gibt es zwischenzeitig sehr interessante Produkte in Form von bedruckten und bemalten Absorberplatten. In diesem Zusammenhang sind die Firmen FAST Audio aus Stuttgart und R-T-F-S aus Mainz besonders empfehlenswert. Wenn Sie ohnehin planen, Ihre Wandbilder zu "erneuern", sollten Sie sich mit diesen besonders wirkungsvollen "Schallschluckern" auseinandersetzen.

Die Raumabmessungen

Vermutlich fragen Sie sich an dieser Stelle, ob dieses Kapitel überhaupt für Sie wichtig ist. Schließlich sind die Abmessungen Ihres Hörraumes vorgegeben und können nicht ohne weiteres verändert werden.

Das ist zwar richtig, aber durch die Kenntnis der akustischen Auswirkungen Ihrer Hörraummaße können Sie bei einer ungünstigen Konstellation Gegenmaßnahmen treffen.


Was haben die Raummaße mit dem Klang zu tun?

audiophil hifi frequenz

Nun, eine ganze Menge. Wie wir wissen, strahlen unsere Lautsprecher Schallwellen mit unterschiedlichen Frequenzen ab. Bestimmte Frequenzen werden von den Raumwänden in Abhängigkeit von der Wandlänge besonders gut reflektiert, während andere Frequenzen kaum reflektiert werden.

Tritt eine Wandlänge mehrfach in Ihrem Hörraum auf (z.B. bei einem quadratischen Raum-Grundriss) verstärkt sich dieser Effekt. Das äußert sich in der Regel bei basstarken Lautsprechern in starkem Dröhnen.

Die Dröhnfrequenzen lassen sich schnell durch entsprechende Programme errechnen. Versuchen Sie es einfach online unter www.trikustik.at, www.owa.de oder www.knauf.de. Falls Sie gerne entsprechende Software käuflich erwerben wollen, werden Sie unter www.cara.de fündig.

Bei diesen Raumsimulationen können Sie die klangliche Auswirkung der verschiedenen Materialen im Vorfeld bequem am Computer austesten. Cara kann sogar den optimalen Lautsprecherstandort berechnen. Allerdings muss hier bemerkt werden, dass nicht alle Faktoren in der Software berücksichtigt werden. So berücksichtigt das Programm zwar die Dämpfungseigenschaften der verschiedenen Materialien, "verschweigt" allerdings die klanglichen Auswirkungen bei unterschiedlicher Positionierung.

Fazit: Computersimulationen können helfen, aber an einer Überprüfung der Simulationsergebnisse mit den eigenen Ohren kommen Sie nicht vorbei.

Aber das kann bekanntlich ja auch sehr viel Spass machen...