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November 2015 - Thomas Hündgen


Der Headphone Optimizer A2 & A2XL von hd-klassik

Headphone-Optimizer von hd-Klassik

Fotos: Thomas Hündgen

Inhalt

Bereits bei der ersten Begegnung übte dieses Gerät einen unwiderstehlichen Reiz aus. Denn einem Kopfhörerverstärker auf den Grund zu gehen, der eine optimierende Funktionalität aufweist und vollständig analog als Class-A-Verstärker konstruiert wurde, machte mich neugierig.

Einer meiner ersten Gedanken war, wie er sich wohl mit meinem Plattenspieler vertragen und welche Ergebnisse ein vollständig analoger Test liefern würde. Noch bevor ich die ersten LPs auflegte, spielte ich diese Situation in meinem Kopf durch und konnte die erste Hörsitzung kaum erwarten.



Der geistige Vater

Der geistige Vater des Headphone Optimizers ist der Tonmeister Ingo Schmidt-Lucas. Seine Lebensstationen und Aktivitäten sind sehr zahlreich. Zum Beispiel schloss er 1999 seine Ausbildung zum Ton- und Bildingenieur an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf ab. Bereits während der Jahre seiner Ausbildung gründete er 1994 das Label Cybele Records. Im Bereich neuer und klassischer Musik hat sich Cybele Records einen sehr guten Ruf gemacht und gemeinsam mit namhaften Künstlern zahlreiche Tonträger produziert.

Im Jahr 2000 richtete er ein Surround-Tonstudio ein. Seit 2004 produziert er seine Musikaufnahmen ausschließlich im Surround-Sound-Verfahren, die auf Super Audio CDs veröffentlicht werden. 2011 erfolgte die Gründung seines High-Resolution Download Portals hd-klassik.com. 2014 begann die Arbeit der Konzeptionierung des Headphone Optimizers, die er gemeinsam mit seinem Kollegen Bernhard Ramroth durchführte. Im März 2015 entstand dann der erste Prototyp, der auch gleich im August desselben Jahres in die Serienproduktion ging. Und auf meine, vielleicht auch unbedarft, gestellte Frage nach seiner Motivation, warum er überhaupt dieses Gerät erschaffen hatte, kam dann auch prompt die Antwort, dass er das aus purer Leidenschaft machen würde.



Das Konzept

Den Headphone Optimizer gibt es in vier Versionen:

Die Modelle A1 und A1XL können mit einem und die Modelle A2 und A2XL mit zwei eingemessenen Kopfhörern betrieben werden. Auf der Eingangsseite sind alle Geräte sowohl mit RCA- als auch XLR-Anschlüssen ausgestattet. Der Unterschied zu den Einheiten, die das Kürzel XL im Namen tragen, besteht darin, dass jene zudem auch noch mit XLR-Ausgängen, via Lundahl-Übertragern, ausgestattet sind. Dies ermöglicht den Einsatz von Kopfhörern mit eigener Treiberstufe. Doch klanglich gibt es zwischen den Typen keine Unterschiede.

Innenleben des Headphone-Optimizer

Bewusst verzichtet Herr Schmidt-Lucas auf ein digitales Konzept, da er der Meinung ist, dass sich die Signale, ohne weitere Schnittstelle oder Wandlungen, direkter und somit unverfälschter übertragen lassen. Denn um eine makellose AD/DA-Wandlung zu realisieren, wäre ein wesentlich höherer Aufwand erforderlich. Bei diesem analogen Konzept hingegen lässt sich alles, was Cinch- oder XLR-Anschlüsse besitzt, problemlos anschließen.

Um das volle Potenzial nutzen zu können, muss die Kundschaft ihre Kopfhörer zu hd-klassik schicken. Jene werden von Herrn Schmidt-Lucas exakt vermessen. Während der Messvorgänge werden im Optimizer die Potentiometer von Hand auf die jeweiligen Kopfhörer sehr präzise kalibriert. Die Ergebnisse werden im Anschluss mit einem Referenzsystem und verschiedenen Aufnahmen von spezieller Güte verifiziert.

Doch bei weiterer Überlegung erscheint es als kurios, denn wir reden doch hier von Kopfhörern der Superlative, die teilweise sehr teuer sind? Wo man eigentlich erwarten sollte, dass jene keine Optimierung nötig hätten, weil sie bereits ab Werk adäquate Ergebnisse liefern würden.

Hd-klassik musste feststellen, dass alle ihnen bekannte Kopfhörer starke Nicht-Linearitäten aufweisen, die mit dem Optimizer ausgeglichen werden. Hinzu kommt noch, dass sowohl zwischen den Exemplaren einer Serie, als auch zwischen den Membranen eines einzelnen Kopfhörers, mitunter deutliche Lautstärkeunterschiede zu messen sind. Doch mit welchen Problemen die Kopfhörerindustrie zu kämpfen hat, soll nicht Inhalt dieses Beitrages werden, als viel mehr davon zu berichten, welche Eigenschaften der Optimizer zu Gehör bringt.



Konzert versus Lautsprecher versus Kopfhörer

Bevor wir uns dem klanglichen Leistungsspektrum widmen, wäre es ratsam sich über grundsätzliche Eigenschaften im Klaren zu sein. Folgende, stark vereinfacht dargestellte Hintergründe wären zu berücksichtigen.

Im Bezug zu einer Musikaufführung, wie auch zu einer Reproduktion mittels Lautsprecher, gibt es enorme Unterschiede zu dem was Kopfhörer zu leisten imstande sind. Stimmen oder Instrumente, die im Raum verteilt erklingen, können wir in ihrer Lokalisation auf direkte Weise wahrnehmen. Wenn etwa eine Geige vor uns gespielt wird, erzeugt sie als echte Schallquelle einen unmittelbar vernehmbaren Klang.

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Hingegen können Lautsprecher, in einer definierten Entfernung aufgestellt, im Raum scheinbar verteilte, sogenannte Phantomschallquellen wiedergeben. Dazu ist ein Stereodreieck notwendig, wo man zwei Lautsprecher links und rechts vor sich stehen hat und man trotzdem die Geige in der Mitte lokalisiert hören kann, auch wenn da kein Schallwandler steht. Somit sind Lautsprecher günstigen Falls dazu in der Lage, die Illusion eines weiten räumlichen Klangbildes zu erzeugen.

Jedoch aufgrund prinzipieller Umstände werden Kopfhörer niemals dazu in der Lage sein. Zumindest nicht auf direktem Wege, sondern eventuell nur über eine massive Manipulation des Signals, etwa mithilfe eines sehr aufwendigen Raumklang-Algorithmus. Denn Kopfhörer können nur durch unmittelbar an den Ohren befindlichen Membranen, einzeln in die Gehörgänge, hineinschallen. Damit gelingt nichts weiter als eine sogenannte Im-Kopf-Lokalisation.

Und an dieser Stelle ermöglichte der Headphone Optimizer von hd-klassik trotzdem Ergebnisse, die sämtliche widrige Umstände, die mit typischen Eigenschaften von Kopfhörern zusammenhängen, sogar vergessen ließen.


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